Die goldenen Achtziger

(aus der Festschrift zum 30-jährigen Jubiläum im Jahre 2008)

Am Vorabend des Jahrzehnts, das heute vor allem durch geschmackvolle Kleidung, dezente Frisuren und Gesangsduos mit Eunuchenstimmen in glänzenden Adidas-Trainingsanzügen in Erinnerung geblieben ist, ahnte noch niemand, wie erfolgreich die kommenden Jahre für unseren jungen Verein werden sollten. Während die meisten sich mit Rubik's Zauberwürfel, der 1980 in die deutschen Spielwarenläden kam und den selbstverständlich jeder, den man heute danach fragt, mindestens einmal gemeistert hatte, beschäftigten, startete der TC Am Kleeblatt in seine zweite Freiluftsaison.

Obwohl es noch einige Jahre dauern sollte, bis im Zuge des Becker-Booms die Masse der Deutschen ihr bisher schlummerndes Talent für den Tennissport entdecken und eben so schnell wieder vergessen sollten, gab es aufgrund der hohen Zahl der Mannschaften damals bereits eine Spielklasse F, in der unsere Herren-Medenmannschaft an den Start ging. Heute fällt es dagegen schon schwer, genug Dörfer zu finden, deren Junggesellenvereine Sonntags die Bierkästen gegen Tennisschläger tauschen, um die D-Klassen der Medenrunde zu füllen. Den Unkenrufen der Günter-Netzer-Inkarnationen und damit als Tennisexperten prädestinierten Dauerpessimisten zum Trotz, errang unsere Mannschaft den Meistertitel der F-Klasse und erreichte damit den Aufstieg in die E-Klasse.

Eine sportlich erfolgreiche Saison, in der die Mitgliederzahl weiter rasant gestiegen war, ging zu Ende. Auf der Jahreshauptversammlung am 25.11.1980, dem zweiten Jahrestag der Vereinsgründung, gab der erste Vorsitzende Hans-Willy Weidenbach seinen Posten an den bis dato zweiten Vorsitzenden Jaki Zeiniger ab, der die Geschicke des Vereins während der nächsten Jahre lenken sollte.

Natürlich kamen auch die mehr geselligen denn sportlichen Veranstaltungen in den Achtzigern nicht zu kurz. Bereits 1980 fand die erste Pilz(s)-Exkursion statt, 1981 folgten das legendäre Zigeunerfest und 1982 der als noch legendärer anzusehende Hamburger Abend mit Bauernhochzeit. Die Maiwanderung wurde in den Folgejahren ebenso zu einer beliebten und gut besuchten Veranstaltung.

Der Verein war mittlerweile den Kinderschuhen entwachsen, bedingt durch die zahlreichen neuen Mitglieder wurde es eng auf den beiden zur Verfügung stehenden Plätzen, und der Ruf nach weiteren Spielmöglichkeiten lauter. Ein idyllisch brachliegender Acker hinter der Tennishalle, von dem ein ländlich anmutendes Flair inmitten dem expandierenden Industriegebiet ausging, wurde vom Vorstand gepachtet. Nach den Karnevalstagen Anfang Februar 1981 begannen die Vereinsmitglieder mit der Umgestaltung des Ackerlandes zu drei Freiplätzen und einem Hartplatz. Gegen Ende April waren die Arbeiten, dank täglichem Einsatz der Beteiligten, rechtzeitig zu Beginn der Freiluftsaison abgeschlossen. Am 1. Mai fand die Einweihung der Plätze standesgemäß mit einer Feierstunde statt. Ein Monument aus Stein, geschaffen von unserem ehemaligen Vereinsmitglied Hans-Albert Welski, heute malerisch von verschiedenen Gewächsen umgeben, erinnert an diese große Stunde des TC Am Kleeblatt.

Neben der Herrenmannschaft, die 1981 erneut die Meisterschaft, diesmal in der E-Klasse, errang, war erstmals auch eine Damenmannschaft des TC Am Kleeblatt am Spielbetrieb beteiligt. Zwar sollte den Damen der Aufstieg im ersten Jahr nicht glücken, doch holten sie es ein Jahr später nach und stiegen gemeinsam mit der erneut erfolgreichen Herrenmannschaft in die C-Klasse auf. 1982 nahm bereits eine zweite Herrenmannschaft an der Medenrunde teil, die es der ersten Mannschaft gleich tat und auf Anhieb den Aufstieg schaffte.

1983 wuchs die Zahl der Medenmannschaften weiter. Die zweite Damenmannschaft war in ihrer ersten Saison ebenfalls nicht zu schlagen und beendete die Saison als Meister der D-Klasse. Neben der zweiten Damenmannschaft gab es in dieser Saison erstmals eine Seniorenmannschaft. Den Senioren folgte 1984 die Seniorinnen, die in ihrer ersten Saison bereits den Aufstieg in die A-Klasse schafften. In der folgenden Saison 1985 überragten die Seniorinnen erneut ihre Gegner und stiegen als Meisterinnen der A-Klasse in die Rheinlandliga auf. Keine andere unserer Mannschaften spielte damals in dieser hohen Spielklasse. In der 1985 neu geschaffenen Spielklasse der Jungsenioren ab 35 Jahren nahmen schon im ersten Jahr drei Mannschaften des TC Am Kleeblatt an der Medenrunde teil. Die erste Jungseniorenmannschaft konnte 1986 in die A-Klasse aufsteigen. Ein Jahr später wurde die Herrenmannschaft Meister der C-Klasse, in der sie sich nach fünf Jahren Zugehörigkeit schon fast heimisch gefühlt hatte, und stieg in die B-Klasse auf. Die zweite Jungseniorenmannschaft errang Meistertitel und Aufstieg in die C-Klasse in der Saison 1988.

Bis zum Jahre 1988 war der Verein weiter stark gewachsen und war mit der heute schon fast unrealistisch anmutenden Mitgliederzahl von 336 der größte Tennisverein der Umgebung. Der dritte Freiplatz vor der Halle war inzwischen zusätzlich angemietet worden, um dem Verein weiterhin Platz zum wachsen zu geben. Wer heute die Einführung einer Rangliste vorschlägt, kann eher damit rechnen, geteert und gefedert in den Stadtwald gejagt zu werden, denn den sportlichen Wettkampf zufördern. Doch neben den Spielen der dreizehn an der Medenrunde teilnehmenden Mannschaften, vier dieser Mannschaften waren übrigens Jugendmannschaften, fanden Mitte der Achtziger pro Saison um die 150 Forderungsspiele statt, in denen um die Plätze auf der seit einigen Jahren geführten Vereinsrangliste gekämpft wurde. Zwanzig Jahre später ist es kaum vorstellbar, welch reger Spielbetrieb damals auf der Anlage geherrscht haben muss.

Auf der Jahreshauptversammlung am 25. November 1988 ging eine weitere Epoche zu Ende. Dieter Roos, vormals Sportwart, wurde Nachfolger von Jaki Zeiniger als erster Vorsitzender des Vereins. Eine lange Einarbeitungszeit blieb ihm nicht, es stand die Organisation der Festivitäten anlässlich des zehnten Jahrestages der Vereinsgründung an.

Gemeinsam mit dem Festausschuss unter der Führung von Heinz Sürth stellte der Vorstand ein Event zusammen, dass bei schlechterem Wetter und schlammigem Untergrund durchaus das Potential gehabt hätte, als Woodstock der Eifel in die Geschichtsbücher der Späthippies einzugehen. An drei Tagen strömten mehrere tausend Besucher auf die Tennisanlage. Das Programm bestand unter anderem aus einem Stelldichein Mayener Kultbands wie „The Lions“, „The Honeycake Horses“ oder der „Spaija Gäng“. Am Samstag trat neben der „Los Bonitos“ Show-Band ein Kölner Entertainer auf, der im Programm als „Bernd Selter“ angekündigt wurde. Leider ist nicht überliefert, ob es sich bei dem Namen schlichtweg um einen Schreibfehler handelt und der heute zu Weltruhm gekommene Bernd Stelter tatsächlich anlässlich unseres zehnten Jubiläums aufgetreten ist. Er wäre damit nach dem späteren Daviscup-Sieger Eric Jelen, der 1981 am Verbandsturnier Rheinland-Pfalz-Saar auf unserer Anlage teilnahm, der zweite spätere Weltstar, der bereits über die formschönen Pflastersteine unseres Parkplatzes flanierte.

Mit diesem Großereignis gingen die Achtziger zu Ende, in denen der TC Am Kleeblatt von einer kleinen Zweckgemeinschaft zu einem großen, geachteten Tennisverein herangewachsen war.

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