Die Gründungsjahre

(aus der Festschrift zum 30-jährigen Jubiläum im Jahre 2008)

Vor knapp elftausend Tagen (am 06.09.2008 sind es genau 10878) befanden wir uns im November 1978. In diesem Jahr errang der 1. FC Köln zum bis heute letzten Mal den Titel des Deutschen Fußballmeisters, Helmut Schmidt war Bundeskanzler, „You're The Greatest Lover“ von Luv Nummer Eins in den Charts. An Helmudt Schmidt dürften sich die Zeitgenossen noch erinnern, an Luv wohl eher nicht. Drei Wochen später stieg übrigens YMCA von den Village People an die Spitze der Charts. Der Gedanken an diesen, auch heute noch von Unmengen leicht angetrunkener Discobesucher gegrölten und getanzten Hit, wird die Erinnerung an die damalige Zeit wohl eher wieder wecken. Über Musik- und Politikgeschichte wissen Frank Laufenberg und Guido Knopp besser zu berichten, deshalb erinnern wir an dieser Stelle an ein anderes bahnbrechendes Ereignis des Novembers 1978 – die Gründung unseres TC Am Kleeblatt.

Die deutschen Stars der ausgehenden siebziger Jahre hießen Karl Meiler und Helga Masthoff – die Herrschaften konnten sich wohl selbst in Discountmärkten relativ ungestört von Fans bewegen. Das Desinteresse der Bildzeitung an eventuellen Besenkammeraufenthalten oder FKK-Urlauben der damaligen Tennis-Stars zeigte deutlich, dass Tennis nicht mehr als eine Randsportart war. Die Anzahl derer, die sich aus Gründen des Sportes auf Tennisanlagen aufhielten, war im Vergleich zu denen, die sich zum Geldadel zählten und in pastellfarbenen Pollundern exotischen Tee trinkend die Clubhausterrassen bevölkerten, eher gering.

Trotz der schon in den siebzigern hohen Einwohnerzahl der Eifelmetropole Mayen funktionierte der Informationsfluss damals wie heute so gut wie in einem aus einer handvoll Häusern bestehenden Dorf in der tiefsten Eifel. Ein solches, das jeder Handybenutzer wegen fehlender Netzabdeckung besser meidet und das selbst von den teuersten Navigationssystemen mit fotorealistischer 3D-Darstellung und stufenlos einstellbarer Ansagentonlage nicht gefunden wird.

So blieben selbst die Pläne streng geheimer Bauprojekte nicht lange in dunklen Hinterzimmern verborgen. Thomas Schulte, Gründungsmitglied und langjähriges Mitglied unseres Vorstands, konnte seine Freunde am Stammtisch im „Bestewäldchen“, die später den TC Am Kleeblatt gründen sollten, mit einer interessanten Neuigkeit überraschen. Herwig Weiner, Gert Gierten, Jaki Zeininger, Walter Arnold, Hans-Willy Weidenbach, Egon Schmitt, Erich Keupen und Peter Lenzen staunten sicherlich nicht schlecht, als sie erfuhren, dass hinter dem Gelände des, damals tatsächlich noch als solchen zu bezeichnenden, Ostbahnhofs von den Gebrüdern Reiff aus Kruft eine Tennishalle nebst Freiplätzen errichtet werden sollte. Dem Grüppchen erging es damals so wie dem Rest Deutschlands einige Jahre später: Tennis wurde plötzlich interessant. Der kleine Tennisball, der zu jener Zeit wirklich noch weiß war, also nicht mangels Farbfähigkeit einiger Fernseher so aussah, schien interessanter als der Handball oder Fußball, mit dem sich die Stammtischfreunde bisher in ihrer Freizeit beschäftigten.

Aus den Gedankenspielen wurde schnell Realität. Zur intensiven Vorbereitung trainierten die Freunde mit dem Trainer Hans Ackermann aus Plaidt in der Tennishalle Müller in Mayen und auf dem Freiplatz des späteren Vereinsmitglieds Heinrich Fassbender in Anschau. In der brandneuen und, nach damaligen Verhältnissen, architektonisch wohl beeindruckenden Tennishalle, wurden schließlich Plätze für erste Wettkämpfe an Freitagabenden angemietet. Der Freitags-Club war damit, noch vor dem TC Am Kleeblatt, geboren. Während sich Andere im legendären, jüngeren Jahrgängen nur als Gegenstand kulturhistorischer Berichte der Elterngeneration bekannten, Sterngarten vergnügten und die in Tanzkursen mühsam antrainierten travoltaähnlichen Disco-Moves aufführten, wurde in der Tennishalle die erste Winterrunde absolviert.

Aus Tennisinteressierten waren schließlich Tennisbegeisterte geworden. Auch vor dreißig Jahren waren die Sommer schon warm - obwohl noch niemand über den schlimmen, vom enormen Haarspraykonsum in den Achtzigern ausgelösten, Klimawandel orakelte. Deshalb machte sich der Freitagsclub Gedanken über Spiel- und Trainingsmöglichkeiten unter freiem Himmel. Der Ende der Siebziger bereits mitgliederstarken Tennisabteilung des TuS Mayen wollte sich der Freitagsclub nicht anschließen. Herwig Weiner, damals Organisator des Spielbetriebs der Winterrunde, der bis heute jedem Vorstand angehören werden sollte, schwebte Größeres vor. Trotz der starken Konkurrenz und des geringen Bekanntheitsgrades des Tennissports sah er den Bedarf an der Gründung eines weiteren Tennisvereins, dessen Spielbetrieb auf den Freiplätzen besagter Anlage der Gebrüder Reiff stattfinden sollte. Der spätere Erfolg unseres Vereins sollte ihm Recht geben.

Die Stammtischfreunde waren von der Idee ebenso angetan. Arbeitsreichen Wochen der Vorbereitung sollte die Gründungsveranstaltung in der Gaststätte „Zur Eich“, die diesen Namen nach diversen Umbenennungen auch heute wieder trägt, folgen. Zu dieser Versammlung am 25. November 1978 erschienen dreißig weitere Tennisambitionierte. Natürlich überließ man nichts dem Zufall und konnte den Anwesenden an diesem Abend bereits Fakten präsentieren. Mit den Gebrüdern Reiff war bezüglich der möglichen Verpachtung der Freiplätze schon Kontakt aufgenommen worden, auch der Vereinsname „Am Kleeblatt“ stand bereits fest. Hobbygermanisten, die in dem Vereinsnamen eine Metapher entdeckt zu haben glauben, werden enttäuscht sein, wenn sie von seiner tatsächlichen Herkunft erfahren. Unser Verein wurde ganz unphilosophisch nach der Flurbezeichung des Gebietes, auf dem die Tennishalle und die Freiplätze errichtet wurden, benannt. Die Vereinssatzung wurde an diesem Abend einstimmig verabschiedet, zudem der erste Vorstand gewählt. Er setzte sich aus teilweise auch heute noch aktiv am Vereinsgeschehen beteiligten Sportkameraden zusammen. Seine Mitglieder waren: Hans Willy Weidenbach (1. Vorsitzender), Jaki Zeiniger (2. Vorsitzender), Gert Gierten (1. Geschäftsführer), Reinhold Loosen (2. Geschäftsführer), Egon Schmitt (1. Schatzmeister), Bernd Kalenborn (2. Schatzmeister), Herwig Weiner (1. Sportwart), Dieter Roos (2. Sportwart), Thomas Schulte (Pressewart), Jürgen Bosselmann (Beisitzer) sowie die Kassenprüfer Wolfgang Maas und Peter Lenzen.

Das erste gesellige Highlight unseres Vereins ließ nicht lange auf sich warten. Bereits wenige Monate nach der Gründung wurde im „Maifelder Hof“ ein von der Presse als Tanzveranstaltung tituliertes Fest abgehalten, bei dem „[...] zeigten dann die Gäste beim Tanz, dass sie es nicht nur in den Armen, sondern auch in den Beinen haben.“ (Rhein-Zeitung, 1979). Offensichtlich hattenen Ergebnisse der Discofox-Tanzkurse, die von den Freitagsrundenabstinenten belegt wurden, bei dem Reporter doch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Gelobt wurde ebenfalls Conferencier Reinhold Loosen, „[...] der später auch die größten Preise einer von Gönnern und Freunden reichbestückten Tombola sicher und mit Schwung an den Mann brachte.“ (ebenfalls Rhein-Zeitung, 1979).

Der frisch gewählte Vorstand meisterte seine erste Aufgabe mit Bravour: in den Wintermonaten warb er genug Mitglieder für den neuen Tennisverein, um mit den Mitgliedsbeiträgen die Anmietung zweier Freiplätze finanzieren zu können. So wurden im Frühjahr 1979 von Alois Reiff die beiden Plätze an den Verein übergeben. Natürlich waren die Spielmöglichkeiten trotz des noch überschaubaren Mitgliederkreises begrenzt. Um Streitigkeiten wegen der Platzbelegung, die besonders diejenigen von uns sehr gut kennen, die während der frühen Neunziger erstmals auf den Tennisplätzen standen, zu vermeiden, konnte man seine Spielstunden zu Beginn jedes Monats in die von Sportwart Herwig Weiner ausgehängten Listen eintragen. Jeder durfte gemäß Plan vier Stunden pro Woche spielen – trotz der begrenzten Kapazitäten eine Zahl an Spielstunden, die in anderen Vereinen zu dieser Zeit wohl selten erreicht wurde.

Die Anfänge waren damit gemacht – die zukünftigen Leistungssportler fanden optimale Trainingsbedigungen vor, als im Mai 1979 die ersten Freiluftmatches stattfanden. Aus Presseberichten geht hervor, dass – entgegen der Berichte anlässlich des zehnten und zwanzigsten Jubiläumsjahres – bereits 1979 eine Mannschaft am Spielbetrieb der Medenrunde teilnahm. Jedenfalls berichtete die Rhein-Zeitung am 17. Mai 1979 von zwei erfolgreichen Spielen gegen TuS Mayen IV und TuS Kottenheim II, die unsere Mannschaft beide mit 7:2 gewonnen hatte. Mit den ersten Hallen-Clubmeisterschaften klang ein erfolgreiches Jahr für den TC Am Kleeblatt aus. Spielmöglichkeiten waren geschaffen, Mitglieder zahlreich in den Verein eingetreten und auch der gesellige Teil des Vereinslebens kam in Schwung. Der Weg war bereitet.

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